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Zeiler Waldmarathon 2019

Früh um 7:00 Uhr klingelt der Wecker. Wochenende und noch so früh. Ich drehe mich noch einmal herum und erste Gedanken auf den Marathon kommen auf. Die Ausrüstung liegt bereits im Schlafzimmer schön aufgereiht bereit.

 

Ich schlüpfe in meine Kleidung und zum Frühstück gibt es ein halbes Brötchen und eine Tasse Tee. Vor einem Lauf am Morgen kann ich ohnehin immer nicht viel Essen. Dafür habe ich sehr viel (weit über die Stränge geschlagen) am Vorabend gegessen. Das war eine regelrechte Heißhunger-Attacke.

Um 7:45 Uhr fahre ich los und auf direkten Weg über die Autobahn Richtung Knetzgau. Bei der Abfahrt Autobahnkraststätte Knetzgau herunter und auf der Landstraße geht es gemütlich bis nach Zeil. Ich habe genügend Zeit mitgebracht. Mein Auto parke ich zuerst bei der Startnummern Ausgabe und fahre von dort direkt bis zum Start/Ziel Bereich. Parkmöglichkeiten gibt zwar nicht direkt am Start/Ziel aber in direkter Nähe.

 

Ich verbringe noch etwas Zeit im Auto. Draußen hat es an diesem Morgen gerade einmal 5°C. Zum Glück ist der Regen ausgeblieben. Neben mir steht noch ein weiteres  Auto. Laute Rock-Musik dringt bis in mein Fahrzeug herein. Hier stimmt sich wohl schon jemand mental auf seinen Lauf ein.

Ca. 40 Minuten vor Startschuss begebe ich mich in den Start/Ziel Bereich. Im Zelt für die Rucksäcke und Kleidungsstücke platziere ich meine Damenjacke und zupfe meine Startnummer noch zurecht. Schnell noch ein paar Fotos vom Zielkanal anfertigen.

Die Zeit vergeht wie im Flug und meine Uhr mahnt schon, dass es in 8 Minuten losgeht. Alle stehen dicht aneinander gereiht im Startkanal. Schon zählen wir den Countdown rückwärts. Ein Knall und das Feld setzt sich in Bewegung. In diesem Jahr habe ich mich bewusst weit hinten eingereicht. Nach der Pleite im letzten Jahr wollte ich diesmal in jedem Fall zwei Runden absolvieren und nicht wieder nach einer Runde aussteigen. Letztes Jahr bin ich sogar noch in die zweite Runde gestartet und den gesamten ersten Anstieg hoch Gelaufen. Aber bei der ersten VP war einfach keine Power und/oder Lauflust mehr vorhanden. Ich brach ab und nahm die Wertung für den Halbmarathon mit nach Hause.

Mein Fokus war auf Distanz für die letzten Monate in diesem Jahr ausgelegt. Entsprechend locker und ruhig ging ich den Marathon an. Nach dem ersten Anstieg bis Kilometer drei lag das Durchschnittstempo bei 7km/min. Da es nun erst einmal einige Zeit abwärts ging, ließ ich es nun laufen. Die weiteren Anstiege nahm ich wieder gemächlich aber im Laufschritt. Es lief einfach sensationell heute. Die letzten zwei Kilometer vor dem Zielbereich kann man ebenfalls immer sehr gut laufen lassen.

Ich passierte die Hälfte und somit erste Runde mit einem Durchschnittstempo von 5:55min/km. Zu schnell dachte ich mir nur. Nun folgte wieder der ewig lange Anstieg. Im Laufschritt aber langsam kämpfte ich mich hoch. Hier und da mal eine kleine Geheinlage. Aber spätestens als ich oben angekommen war, ging es wieder zügiger weiter. Immer wieder konnte ich hier und da einen Läufer überholen. Das baut Mental auf.

Alles in allem spürte ich aber schon, dass es nun an die Energiereserven geht. Bisher hatte ich an den Verpflegungsstellen nur warmen Tee getrunken. Inzwischen machte sich ein leichtes Hungergefühl breit. Neben Tee aß ich in der zweiten Runde somit an VP1 etwas Kuchen dazu.

Die Taktik ist nun sich von VP zu VP zu kämpfen. Diese sind grob alle 5km vorhanden. Bei der nächsten VP nahm ich ein Ultrasports Gel mit Tee und Kuchen. Die zusätzliche Energie werde ich später sicher benötigen.

Der nächste Streckenabschnitt fällt mir aufgrund der offenen Fläche immer etwas schwerer. Man kann weit sehen und dadurch hat man das Gefühl, dass man nur langsam vorankommt. Aber auch diesen Abschnitt konnte ich noch einmal für dieses Jahr hinter mir lassen.

Nun rannte ich mit schnellen Schritten den Berg hinab und immer auf den vorletzten VP zu. Dieser VP ist immer am besten bestückt. Es gibt dort etwas besonderes, und zwar Mohrnköpfe ;-)

Ich stelle nun auf Cola als Getränk um und füllte mit einem Mohrnkopf Energie auf. Nun stehen die letzten ca. 7-8 km vor mir. Bevor ich in ca. 5 Kilometer die letzte VP erreiche, muss ich aber noch einmal diesen furchtbaren langen Anstieg hinter mich bringen. Leider konnte ich diesen nicht mehr wirklich im Laufschritt bewältigen und hatte einige längere Geh-Passagen dabei. Mein Durchschnitt hat schon etwas gelitten und ist inzwischen auf 6:15min/km angestiegen. Aber das war egal. Das Ziel ist in greifbarer Reichweite und bei noch keinem anderen Marathon habe ich mich zu diesem Zeitpunkt und der Distanz noch so gut gefühlt.

Die letzte VP ist erreicht. Leider keine Cola mehr vorhanden. Aber als Alternative Malzbier. Dieses bringt auch viel Energie. Schnell einen Becher geleert und ein Stückchen Kuchen. Aber hier heißt es jetzt Beine in die Hand nehmen und Laufen! Nicht gehen! Laufen!

Nur noch zwei Kilometer trennen mich vom Ziel. Es zieht sich. Die Beine werden immer träger aber der Kopf treibt die Füße unaufhaltsam weiter an. Endlich geht es abwärts Richtung Ziel. Ab hier kann man es laufen lassen und Tempo aufnehmen. Das Klatschen der Zuschauer und die Lautsprecheransagen werden immer lauter. Vor mir baut sich der Zielbogen auf. Noch einmal alles geben für die letzten Meter. Die Zeiterfassung gibt beim Passieren einen Bestätigungston. Ich bin durch! Ich habe es geschafft. Endlich einmal wieder. Die letzten Jahre bin ich in der Regel nach der ersten Runde ausgestiegen.

Es ist doch was dran. In der Ruhe liegt die Kraft. Endlich habe ich einmal das gemacht, was ich schon immer machen sollte. Langsam gestartet und ruhig und konstant gelaufen. Ich freue mich auf das nächste Jahr und bin in jedem Fall wieder am Start.

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