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14. Untertagemarathon Merkers

Auch in diesem Jahr hat der Untertage-Marathon Merkers in seiner 14. Auflage zig Läufer angelockt. Wie immer ist die Veranstaltung kurz nach der Anmeldemöglichkeit sofort ausgebucht gewesen. Wir hatten viele interessante Gespräche und unter den Wiederholungstätern finden sich immer wieder Neulinge, die sich zum ersten Mal in die Tiefe wagen.

Während ich zu den alt bekannten Wiederholungstätern gehöre, war es für Ingrid der erste Lauf dieser Art. Mental habe ich sie mit allen möglichen Geschichten auf das schlimmste vorbereitet ;-) Alles in allem darf man diesen Lauf wirklich nicht unterschätzen. Schon vielen Läufern ist die Salz durchsetzte Luft, die jedes Wasser-Atom dem Körper entzieht zum Verhängnis geworden. Dazu kommt noch die Hitze und das ständige auf und ab in jeder Runde.

Sonntag früh um 5:45 Uhr hat unser Wecker geklingelt. Bereits am Vortag war alles gepackt und startklar. Wir zogen uns unsere kurze Laufkleidung an und frühstückten noch gemütlich. Punkt 6:30 Uhr war Abfahrt nach Merkers. Wir haben dorthin nur ca. 1,5 Stunden Fahrt. Kommen somit planmäßig um 8:00 Uhr an. Um diese Uhrzeit ergattert man noch spielend einen der begehrten Parkplätze direkt in unmittelbarer Nähe vom Eingang zum Erlebnis-Bergwerk.

Eine große Schlange hat sich bereits vor dem Treppenaufgang in Richtung Schachtaufzüge gebildet. Im Nebenraum haben wir unsere Startnummern erhalten sowie ein kleines Präsent und den Transponder-Chip. Als wir den Nebenraum verlassen hatten, war die Schlange auch schon verschwunden und wir reihten uns zwei Stockwerke höher in eine neue Schlange vor den Aufzügen ein. Nicht lange und die Türen wurden verschlossen und der Aufzug setzte sich in die Bewegung in eine andere Welt. Tiefe Schwärze umgab uns für wenige Minuten. Dicht an dicht waren wir Läufer in die Kabine gedrängt worden. Der Aufzug wird langsamer und das Licht der künstlichen Beleuchtung dringt durch die Ritzen der Aufzugtür. Wir befinden uns nun 500 m unter der Oberfläche. Man riecht und schmeckt bereits die salzige Luft, die einen nun umgibt.

Zielstrebig begeben wir uns alle zu Fuß zu der Wetterschleuse unterhalb der Metalltreppe. Nachdem der Pulk an Läufern, sich in der Schleuse versammelt hat, knallte die Tür zu und die andere Tür gab den Weg frei. Wir wurden nun auf zwei der gelben Grubenfahrzeuge verteilt. Wie immer war es eine rasante und lustige Fahrt durch die Stollen. Alleine diese erste Fahrt ist immer ein wahres Highlight.

Nach wenigen Minuten ist die rasante Fahrt leider auch schon wieder vorüber und wir befinden uns im eigentlichen Event-Bereich dieses Marathons. Der Läufer wird hier in einer großen Halle empfangen. Es gibt ausreichend Stühle für jeden Läufer. Wir entscheiden uns für zwei Stühle am äußeren Gangbereich kurz vor der Tribüne und guter Sicht auf die Großleinwand.

An diesem Tag war ein bekannter Promi hier Untertage. Es kein geringer als Johannes B. Kerner. Sicher kennt ihn jeder aus seinen Shows. Während einem kleinen Small Talk erkundigte er sich über den Lauf und was ihn so erwartet und ich konnte ihm noch den ein oder anderen Tipp mit auf den Weg geben. Kurz vor dem Start der 10 km Läufer gab es bereits das zweite Highlight an diesem Tag. Eine sinnige Laser-Show. Mit 5 Minuten Verspätung viel dann auch schon der Startschuss für die 10 km Läufer.

Um 11:00 Uhr waren wir nun am Zug. Wir stellten uns im vorderen Drittel auf. Ingrid war schon sichtlich aufgeregt und hatte sicher großen Respekt, vor dem was auf sie zukommen sollte. Die 7 Runden für ihren zweiten Halbmarathon liefen wir natürlich zusammen. Mein Ziel war es, sie möglichst mit konstantem Tempo durchzubringen und ich muss sagen. Sie ist eine Rakete und Naturtalent. Mit einer echt klasse Zeit von 2:10 Stunden habe ich sie nach der 7. Runde in den Zieltunnel geschickt. Die Runden haben unterwegs alles von ihr abverlangt. Aber sie hat die Zähne zusammengebissen und gekämpft. Das Ganze hat sich für sie gelohnt. 3. Platz in der Altersklasse und gesamt 20. Platz unter den Frauen. Für den zweiten Marathon gigantisch finde ich.

So ich muss zugeben, dass vergangenen 7 Runden nicht gerade mein persönliches Marathon-Tempo gewesen wären. Aber ich wollte, dass Ingrid eine gute Zeit erreicht. Nach der 7. Runde war ich etwas ausgepowert, was das Mentale und die Leistungsfähigkeit anging. Mein Kopf schrie förmlich: "Wozu das Ganze, wenn du nun aufhörst, hast du eine echt gute Halbmarathonzeit hingelegt! Wenn du weiter läufst, wird es richtig anstrengend und die Zeit wird sicher in den Keller gehen". Diese Gedanken begleiteten mich in den Runden 7 und 8. Danach konnte ich mich wieder auf das Ziel fokussieren. Spätestens als auf der Anzeigetafel stand "4 to go". War klar, dass Ziel rückt in greifbare Nähe. Ich bin zwar gefühlt etwas langsamer geworden, so kam es mir jedoch vor aber meine Gedanken peilten schon 3 to go an. Diese Stelle hatte ich heute schon einmal mit Ingrid. Wenn ich erst einmal in der dritten Runde bin, dachte ich mir, ist das Ziel sowas von greifbar.

Nun waren es nur noch drei Runden, die vor mir lagen. Wie nach jeder Runde beginnt die nächste mit einem kurzen Boxenstopp, um die wichtige Flüssigkeit aufzunehmen bis zum nächsten Getränkestand. Inzwischen kippte ich einen halben Becher Wasser mit einem halben Becher Cola zusammen, um dem Körper dringend benötigte Energie zur Verfügung zu stellen. Inzwischen konnte ich nur noch sehr zügig die ersten zwei Anstiege Gehen. Danach zwang ich mich das wellige Gelände bis zum VP in der Mitte der Runde zu Laufen, was gut ging. Die zwei Anstiege vor dem mittleren VP musste ich wieder zügig Gehen. Aber ich konnte hier immer wieder Läufer überholen, was zusätzliche Energie und Motivation freisetzte.

Nach dem mittleren VP kam der elend lange sehr seichte Anstieg. Auch hier hieß es maximal zügig Gehen und punktuell auch immer mal wieder für wenige Meter Laufen. Nachdem man aber den oberen Punkt erreicht hat, kann man sich freuen! Es geht nur noch abwärts bis zum Zielkanal. Die Projektion zeigt nur noch 2 to go. Diese vorletzte Runde wollte ich genießen und habe diese bewusst ruhiger angehen lassen. Genießen, da es nun erst wieder ein Jahr dauert bis wir uns wieder hier unten beweisen dürfen. Genießen, um in dieser vorletzten Runde etwas Kraft zu tanken.

Die letzte Runde ist angebrochen. Es hat funktioniert. Es ist wieder deutlich mehr Power abrufbar. Bereits bei den ersten beiden Steigungen kann ich etliche Läufer schlucken. So zieht sich das bei allen weiteren verbliebenen Anstiegen durch. Die Strecke ist inzwischen schön leer geworden. Stellenweise kein Licht oder Geräusch von anderen Läufern hörbar. Ich liebe diese Umgebung und Einsamkeit hier unten bei diesem Lauf. Ich bedanke mich bei dem mittleren VP Posten für den tollen Support und kündige wie jedes Jahr an, dass wir uns im kommenden Jahr wieder sehen. Ich kämpfe mich ein letztes Mal den quälend langen Anstieg hoch. Sammle dabei alle Kraft. Oben angekommen hält mich nun nichts mehr vom Ziel ab. Ich donnere mit großen Schritten abwärts. Überhole alle, die es noch zum Überholen gibt. Ich höre schon die Lautsprecher vom Zielbereich durch den Gang schallen. Nur noch wenige hundert Meter trennen mich vom Zielkanal. Und da ist er. Endlich darf ich mich auf der rechten Seite vom Kanal positionieren. Ein letztes Mal gebe ich alles und beschleunige was das Zeug hält. Der Streckenposten vor mir im Ziel winkt verzweifelt ab, dass ich das Tempo jetzt herausnehmen kann. Ich donnere auf ihn zu und komme kurz vor der Abbiegung zum Stehen. Glücklich erhalte auch ich meine Medaille. Ich bin nur unwesentlich langsamer geworden und habe eine Zeit von 4:26 hingelegt. Damit bin ich sehr zufrieden.

Wir haben es geschafft und hatten mega Spaß. Wiederholung ist wie immer garantiert bei diesem einmaligen Lauf-Event.

Auf dem Weg nach Hause durften wir noch den Sonnenuntergang auf der Autobahn erleben.

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